Mobbing: Langzeit-Gewalt mit Tiefenwirkung

Mobbing ist keine einzelne Handlung. Mobbing ist ein Prozess. Ein schleichender, sich üblicherweise langsam steigernder Prozess, der sich über längere Zeit - über Monate oder auch Jahre - hinzieht.

Mobbing besteht aus zahllosen Einzelhandlungen, die - jede für sich betrachtet - lächerlich erscheinen. Wer beklagt sich schon darüber, dass man ihm irgendwann einmal eine (wichtige) Information vorenthalten hat? Oder darüber, dass irgendwer nicht gegrüßt, einen selbst völlig ignoriert hat? Darüber, dass man aus völlig unerfindlichen Gründen in einem bestimmten Kreis (neuerdings) unerwünscht ist? - Sind doch alles nur Versehen, oder besser noch: das bildet man sich alles ein...

Auch Körpersprache spielt hier eine wichtige Rolle. Beispiel: das Mobbingopfer betritt den Raum, der Mobber rollt entnervt die Augen - ein Signal, das wahrgenommen wird. In der Konsequenz fühlen sich so genannte "Neutrale" bewogen, ähnlich zu reagieren...
Mittäterschaft aus Unwissenheit, funktionierende Gruppendynamik.

Vielleicht äußert sich das Opfer mal Hilfe suchend über irgendeine Schikane, die es sich gefallen lassen musste, irgendeine Demütigung, Diskriminierung - und erntet damit bestenfalls Schulternzucken.
Vielleicht erfährt es sogar einmal, was an übler Nachrede oder Verleumdung verbreitet wird, dann aber mit dem wohl gemeinten Hinweis: "Da musst Du nichts drum geben!" - Warum auch? Sind ja alles nur lächerliche Kleinigkeiten...

Doch: steter Tropfen höhlt den Stein!

Erst die Penetranz, in der solche Handlungen vollzogen werden, machen daraus Mobbing. Erst in der Gesamtheit betrachtet offenbart sich die Systematik, die Strategie, der Vorsatz, der Mobbing ausmacht. Wenn nicht grüßen, ignorieren, üble Nachrede und ähnliches die Ausgrenzung, Isolation, oder auch den sozialen Tod des Opfers zum Ziel und zur Folge haben, dann macht die Summe dieser Handlungen aus lächerlichen Kleinigkeiten Gewalt.

Mobbing verletzt in aller Regel nicht den Körper. Die Verletzungen sind nicht sichtbar. Das Opfer kann keine Wunden, nicht einmal Hämatome vorzeigen. Mobbing basiert in erster Linie auf psychischer Gewalt und verletzt viel tiefer, als jeder physische Hieb es könnte.

Diese Verletzungen führen zu Langzeitfolgen, die mit Beendigung des Mobbings keineswegs plötzlich wieder verschwinden. Dazu gehören depressive Verstimmungen, totale Antriebslosigkeit/Burnout-Syndrom, Suchtmittelgebrauch, Herz-Kreislauf-Probleme, Schlaf- und/oder Ess-Störungen, Konzentrationsmängel...
Immer wieder liest man von Suiziden, immer wieder von Amokläufen. Die Opfer werden mit dieser perfiden Form von Gewalt nicht fertig.

Mobbing sind keine harmlosen Sticheleien.
Mobbing ist Langzeit-Gewalt mit Tiefenwirkung!



Bei Mobbing gibt es keine Unbeteiligten: Berliner Anti-Mobbing-Fibel



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